Neue Ursprungs-Schokolade von Bonnat - "Madre de Dios" Peru

„Das was wohltuend für den Gaumen ist, tut der Seele nichts zu Leide.“  - lautet die altbekannte Devise der international anerkannten französischen Chocolaterie Bonnat, welche seit geraumer Zeit immer auf der Verpackungsrückseite aller Schokoladentafeln im unteren Feld gut leserlich platziert ist.

 

Als Erfinder bzw. weltweiter Vorreiter im Bereich von Single-Origin-Schokoladen, für die nur Kakaobohnen aus einer einzelnen Region verwendet werden, passt dieses Motto des französischen Familienunternehmens, welches das typische Savoir-vivre des Feinschmecker-Landes wiederspiegelt, zu Stéphane Bonnat derart gut wie zu kaum einem anderen Chocolatier Frankreichs, der von der Bohne weg produziert. Einen umfassenden Einblick in die Bean-to-Bar Produktionsweise sowie die sozioökonomisch und ökologisch motivierte Kooperations-Philosophie von Bonnat zeigt zum Beispiel sehr schön eine Film-Reportage des Fernsehsenders TF1.

Der Indiana Jones der Schokoladenwelt -

Kakao-Abenteurer Stéphane Bonnat in Madre de Dios, Peru:

Edelkakao aus "Madre de Dios":

"Mutter Gottes" - peruanischer Edelkakao par excellence aus der Hand von Stéphane Bonnat als neue 75%-Schokoladen-Sorte!

 

Der französische Schokoladenmeister Stéphane Bonnat aus Voiron steht aktuell im Fokus der Kakao-Welt, weil er eine neue interessante Ursprungs-Schokolade kreiert hat. Die neue Schoko-Delikatesse, die einen Bonnat-typischen Kakaoanteil von 75 Prozent aufweist, hat ihre weltweite Premiere offiziell Anfang November beim "Salon du Chocolat" in Paris gefeiert.

Die in dem neuen Produkt verwendeten Kakaobohnen (u. a. heimische Chuncho- und Trinitario-Varietäten) stammen von Bauern aus der Region Madre de Dios (auf Deutsch: Mutter Gottes), die sich im Südosten Perus an der Grenze zu Brasilien und Bolivien befindet. Die historisch und botanisch einzigartigen Kakaobäume werden mit nachhaltigen und ökologischen Methoden in den Regenwäldern in der Nähe des "Tambopata Naturreservats" angebaut. Um nicht weiter dem Diktat von illegalen Goldminen in Madre de Dios ausgesetzt zu sein, beschlossen vor wenigen Jahren immer mehr Menschen aus dieser Amazonas-Region auf Kakao-Anbau umzusteigen, was zurecht in jeder Hinsicht eine profitablere und nachhaltigere Einkommensalternative für die Menschen vor Ort ist. 

"Tambopata" ist das zweitgrößte Naturschutzgebiet Perus, welches Teil des Amazonasbeckens ist und wo natürlicherweise eine bemerkenswert große Vielfalt von Flora und Fauna vorzufinden ist. In enger Beziehung zu den Kakaobauern aus Madre de Dios stehend kauft Stéphane Bonnat die hochwertigen Kakaobohnen von den Einheimischen direkt und zu fairen Preisen ab. Der französische Schokoladenhersteller lernte die Farmer 2017 persönlich kennen, als er sie zum ersten Mal besucht hat. Ein weiterer Besuch mit dem Ziel eines konstruktiven Austausches folgte erst kürzlich im Spätsommer/Frühherbst 2018.

Bilder-Impressionen:

Stéphane Bonnat zu Besuch bei den Kakaoabauern in Peru in der Region "Madre de Dios"

Im Vergleich zum inzwischen international prominteren Kakao-Anbaugebiet Perus um den Ort Cusco, das landeinwärts etwa 400 Kilometer weiter westlich liegt, befindet sich die Region Madre de Dios in dieser Hinsicht noch in den Kinderschuhen - obwohl auch hier heimische, alte Kakaosorten von historischem Wert wachsen, die an die dort vorzufindende Landschaft optimal angepasst sind. Wissenschaftlich gesehen sind die dort existierenden Kakao-Varietäten ohnehin noch unerforscht.

Die neue Peru-Schokolade von Bonnat wurde von mir auf ihre sensorischen Eigenschaften hin getestet, dessen Ergebnis weiter unten zu lesen ist. Im Großen und Ganzen handelt es sich um eine delikate und elegant schmeckende Schokolade, die mit milden, interessanten Röstnoten und dezenten Fruchtnuancen versehen ist. Käuflich zu erwerben ist sie meines Wissens nach in Deutschland zurzeit nur im Onlineshop des Schokoladengeschäfts "Feine Schokolade Dressler".

Peru "Madre de Dios" 75% von Bonnat im Geschmackstest

Meine Bewertungskriterien:

(A) Duftaromen: 18 / 18 Punkte

(B) Geschmacksaromen: 48 / 48 Punkte

(C) Optik: 3 / 3 Punkte

(D) Schmelz: 3 / 3 Punkte

(E) Zutaten: 18 / 18 Punkte

(F) Nachhaltigkeitseinschätzung: 4 / 4 Punkte

(G) Gesamteindruck: 6 / 6 Punkte

 

Bonnat - Peru "Madre de Dios" 75%

 

Kakaoherkunft: Peru, Region Madre de Dios

Kakaovarietät: alte heimische Kakaosorten (u. a. Chuncho, Trinitario)

 

MHD Charge: 01/2020

 

A) Duftaromen: Noten von gelben Früchte (marmeladige Trockenfrüchte, Aprikosen, Pfirsich, Melone), dezente Röst-Akzente von Brot und Kaffee 14/18

B) Geschmacksaromen: zu Beginn geröstete Nüsse mit kräftigen Krustenbrot-Akzenten, sahnige und holzig-blumige Anklänge, Hauptteil (geprägt von dunklem Brot mit Rahm, Karamell, Nüssen und Kaffee), dezente Fruchtnoten (gelber Früchte-Mix, v. a. Aprikosen, Melonen, Maracuja), Abgang nussig-holzig und kaffeig 44/48

C) sehr gut 3/3

D) feinschmelzend 3/3

E) Kakaomasse, Zucker: sehr gut 18/18

F) sehr gut: Direkt gehandelter Kakao in enger Zusammenarbeit mit Kakaobauern aus Madre de Dios, nachhaltige und ökologische Anbauweise am Amazonas-Naturschutzgebiet, Direct Cacao Mitglied 4/4

G) Gesamteindruck: 6/6

 

Gesamtpunkte: 92/100

 

Fazit: Was ganz typisch für die Schokoladen von Bonnat ist, verfügt auch die neue Peru-Sorte "Madre de Dios" über ausgezeichnete, nahezu buttrige Schmelzeigenschaften, die bei dieser Sorte, wie mir von Bonnat versichert wurde, komplett ohne zusätzliche Kakaobutter-Zugabe erzielt wurden. Charakteristisch ist nämlich bei den meisten Schokoladen von Bonnat meiner Empfindung nach, dass oft vergleichsweise viel Kakaobutter (meines Erachtens mind. 10 Prozent) zu bestimmten Sorten hinzugefügt wird. Denn gerade die großzügige Verwendung von extra Kakaobutter ist ein Markenzeichen sowie Tradition unter den meisten französischen Schokoladenherstellern, deren Produkte sich stets durch einen feinen Schmelz auszeichnen. Im Falle der Kakaobohnen von Madre de Dios ist dies jedoch nicht notwendig gewesen, weil deren natürlich vorkommender Fettanteil von ca. 52 - 54 Prozent ausreichend war, um bei der Schokoladenherstellung auf weitere Kakaobutter verzichten zu können.

Die Peru-Schokolade verströmt einen interessanten Duft von marmeladig wirkenden gelben Trockenfrüchten (Aprikosen, Pfirsiche, Melonen), die in Kombination mit interessanten Röstnoten von Brot und Kaffee einen schon fast rauschartigen Eindruck hinterlassen.

Geschmacklich zeigt sich schwerpunktmäßig ein dominantes, aber positiv herausgearbeitetes Krustenbrot-Aroma, das von Rahm-, Karamell-, Nuss- und Kaffee-Akzenten harmonisch unterstützt wird. Neben leichten blumigen Anklängen kommt auch die Fruchtkomponente hier nicht zu kurz. Weder zu schwach noch stark ausgeprägt entfalten sich Noten von gelben Früchten (Aprikosen, Pfirsiche, Melonen), die zum Schluss hin etwas säurehaltiger werden und vermehrt an Maracuja erinnern.

Alles in allem ist Bonnat's "Madre de Dios" eine röst- und fruchtbetont schmeckende Schokolade, deren Aromen einerseits sehr gut ausbalanciert sind, aber andererseits eine spannende Aromenkomposition ergeben. In dieser Form ist mir gerade ein solcher Geschmacksschwerpunkt außerhalb von Bonnat's Produkten noch nirgendwo anders begegnet - und gerade diese Komponente macht sie besonders reizvoll, aber natürlich auch sehr schmackhaft. Zwar handelt es sich nicht unbedingt um Stéphane Bonnat's allerbeste Kakao-Kreation (bisher sind dies meiner Meinung nach eher seine Sorten "Mexiko - Xoconuzco" und "Brasilien - Libanio" gewesen), aber nichtsdestotrotz verfügt sie über ein positiv und komplex herausstechendes Aromenprofil ohne Schwächen. 

 

Bemerkung: Als unparteiischer Schokoladenblogger vertrete ich keine einzelnen Hersteller oder Vertriebe und richte mich nur nach gutem Geschmack und den Werten der Schokoladenhersteller.

Wenn ich Interesse mit meinen Schokoladenempfehlungen geweckt habe, so möchte ich lediglich als Hilfestellung aufzeigen, wo und wie man derartige Schokoladen kaufen kann.

Aktuell ist die "Madre de Dios"-Schokolade von "Bonnat" deutschlandweit nur über den Onlineshop des Schokoladenfachgeschäftes "Feine Schokolade Dressler" erhältlich.