Grenada Chocolate Company - Tree-to-Bar Schokoladenpionier

Die "Grenada Chocolate Company" ist weltweit eines der ersten und seriösesten Schokoladenunternehmen gewesen, das im Sinne des nachhaltigen Konzepts von Tree-to-Bar, wie beim Weinbau, an Ort und Stelle des Kakaoanbaugebiets ihr Endprodukt fertigt. Als Nachhaltigkeits-Pionier gründete im Jahr 1999 der US-Amerikaner Mott Green, ein überzeugter Umweltaktivist, auf der karibischen Insel Grenada zusammen mit zwei Freunden, Doug Browne und Edmond Brown, und mit einer Kakaobauernkooperative diese radikal kompromisslose Schokoladenrevolution. Denn auch die Kakaobauern sind als Anteilseigner an den Gewinnen des Unternehmens direkt beteiligt. Mott's Vision war, die Menschen wieder zur Landwirtschaft zurückzubringen, indem er ihnen wieder anständige und existenzsichernde Preise für den Anbau des wertvollen Grenada-Kakaos zu zahlen begann. Leider ist der Hauptinitiator dieses umweltorientierten Feinschmecker-Projekts 2013 durch einen unglücklichen Unfall während der Arbeit verstorben. Bevor Mott Green 1988 nach Grenada umsiedelte, lebte er in New York, wo er sich für Menschen in Not, Arme, Obdachlose und Bedürftige, einsetzte. Ein Universitätsabschluss, um nachher beruflich Karriere zu machen, kam für ihn schon als junger Erwachsener nicht Frage. Er verlor Vertrauen in die amerikanische Gesellschaft, brach sein Studium abrupt ab und wanderte als Squatter umher. Mott's Familie war über dessen idealistische Einstellung, bedürftigen Menschen zu helfen, einerseits frustriert, aber andererseits konnte sie seine Handlungsweise, nicht nur auf sich selbst zu schauen, dennoch gut nachvollziehen. In die Karibik hat es den Aktivisten, wie der Amerikaner selbst in einem Interview zugab, unter anderem auch wegen der harten Winter in Nordamerika verschlagen. Er wählte mehr oder weniger durch Zufall Grenada aus, wo er sich sofort in die einzigartige Atmosphäre und die gelassene Lebensweise der Inselbewohner verliebte. Bis zum Schluss blieb der Amerikaner sehr bescheiden und hilfsbereit. Er wohnte die ganze Zeit in einem kleinen Zimmer in der 1. Etage oberhalb der Schokoladenfabrik und schlief auf einer alten, abgenutzten Matratze. Obwohl Mott's plötzlicher Unfalltod ein herber Schlag und ein großer menschlicher Verlust für die Grenada Chocolate Company und für die gesamte Insel war, ließ sich das Unternehmen nicht unterkriegen und produziert nach wie vor bis heute unter der Führung seines Freundes und Partners Edmond Brown aromatisch eindrucksvolle und pure Schokoladen ohne Zusätze. Schon alleine die rustikale Machart mitsamt den ausdrucksvollen Noten von roten Früchten und der bunt-schrillen Verpackung verleiht dem Produkt ein karibisches Flair, das beim Genuss das Gefühl gibt, selbst vor Ort zu sein. Bei Interesse an bildlichen Impressionen: es gibt auf Youtube eine eindrucksvoll gemachte Filmdokumentation über das karibische Schokoladenunternehmen, das ich jedem Schokoladen-Liebhaber wärmstens empfehlen kann. Da der Film kurz vor Mott's Tod gedreht wurde, sind auch viele interessante Gespräche zwischen dem Firmengründer und der Moderatorin enthalten.

 

100-prozentiges Edelkakao-Vorkommen auf Grenada

 

Grenada gehört zu den wenigen Ländern weltweit, die über einen 100-prozentigen Anteil an qualitativem Edelkakao verfügt. Einen maßgeblichen Einfluss darauf hat neben sozioökonomischen Faktoren die große Biodiversität und die daraus resultierenden fruchtbaren Böden auf der Insel. Die heimischen Kakaosorten werden mitten im Regenwald Grenadas von Kleinbauern mit nachhaltigen und ökologischen Methoden angebaut. Die aktuelle Kooperativen-Gesamtfläche des von den Farmern kultivierten Kakaos beträgt etwas mehr als 80 ha. Der Kakao aus Grenada zeichnet sich durch seine charakteristisch fruchtigen Aromen aus, die sehr überzeugend in den Dunkelschokoladen zur Geltung kommen. Neben der Kakaopflanze, die Anfang des 18. Jahrhunderts durch französische Kolonisten eingeführt wurde, gibt es auf Grenada auch eine große Vielfalt an Gewürzen. Einen großen kulturellen und kulinarischen Stellenwert hat hier besonders die Muskatnuss, die in den meisten Gerichten Verwendung findet. Darüber hinaus wachsen Ingwer, Kurkuma, Piment, Zimt oder Lorbeer fast an jeder Ecke. Auch alle anderen Zutaten wie der Rohrzucker und das Soja-Lecithin stammen aus ökologischer Erzeugung. Wegen des feuchten Tropenklimas ist die Verwendung von Soja-Lecithin in geringen Mengen als Emulgator dem Hersteller zufolge unumgänglich. Andernfalls würden die Qualität und die Schmelzeigenschaften der Schokoladen sehr darunter leiden. Darüber hinaus wäre eine erfolgreiche Herstellung der mengenmäßig überschaubaren Anzahl an Schokoladentafeln in Kleinstchargen nicht möglich. Denn nur 22 Kilo Kakaobohnen können auf einmal geröstet werden.

 

Grenada Chocolate Company - pure und nachhaltige Ursprungs-Schokoladen direkt aus der Karibik

 

Das Unternehmen stellt pure Ursprungschokoladen mit einem Kakaogehalt von 60, 71, 82 und 100 Prozent her, wobei bereits die über 80-prozentige Schokoladenvariante bereits ohne zusätzliche Kakaobutter hergestellt wird. So besteht das Produkt nur aus Kakaomasse, Rohrzucker und etwas Soja-Lecithin. Im Sortiment befinden sich ebenso Schokoladen, die zusätzlich Meersalz und Kakaonibs enthalten, sowie frische und temperaturempfindliche Schokoladenbonbons mit lokalen Früchten und Gewürzen, die ausschließlich vor Ort im firmeneigenen Laden verkauft werden.

Sogar die Kakaobutter, die für die in Vergangenheit preisgekrönten Schokoladen verwendet wird, wird selbst gepresst - ein Arbeitsschritt, der auch auf Gourmet-Ebene noch nicht oft anzutreffen ist. Die kleine Schokoladenfabrik, die sich im karibischen Regenwald Grenadas befindet, schafft zusätzliche Arbeitsplätze für rund 20 Bewohner der Insel. Und da die Insel mit ihren 344 Quadratkilometern (ca. 20 km lang, 10 km breit) verhältnismäßig klein ist, befinden sich alle Kakaogärten sowie die Weiterverarbeitungsorte (Nachernteverfahren: Fermentation und Trocknung der frischen Kakaobohnen) ohnehin in unmittelbarer Nähe. Beispielsweise ist der zentrale Ort, an dem die Kakaobohnen fermentiert werden, nur 1,5 Kilometer von der Produktionsstätte entfernt. Besonders vorbildlich ist die CO2-neutrale Produktionsweise unter Verwendung von Strom aus Sonnenenergie und der umweltfreundliche Schokoladentransport mit einem großen Segelschiff nach Europa. Eine umfangreich ausgebaute Photovoltaikanlage macht es nämlich möglich, dass alle Produktionsmaschinen vollständig mithilfe von grünem Strom der Sonne betrieben werden können. In der kleinen Schokoladenfabrik werden seit Anfang an sehr alte, aber restaurierte sowie selbst erbaute Schokoladenmaschinen verwendet. Dies betrifft auch den Melangeur, der mit seinen Granitwalzen die Kakaobohnen zu einer Kakaopaste mahlt. Wie inspirierend das Erfolgskonzept von Mott Green war und weiterhin ist, zeigt die Tatsache, dass es inzwischen fünf tree-to-bar Schokoladenhersteller auf der Insel gibt, die allesamt ökologische und ethisch-soziale Werte in ihren Philosophien fest verankert haben.

Die dunklen Ursprungsschokoladen von der "Grenada Chocolate Company" sind erfreulicherweise trotz der verhältnismäßig geringen Erntemengen und den daraus resultierenden Produktionskapazitäten, die stark limitiert sind, auch in Deutschland in einigen wenigen Schokoladenfachgeschäften erhältlich. Eine 85-Gramm Tafel kostet etwa 7 Euro, was ein sehr gutes Preis-Leistungs-Verhältnis ergibt, da es sich meiner Meinung nach um eine der weltweit nachhaltigsten Schokoladenmarken überhaupt handelt. Die Schokoladen von "Grenada Chocolate Company" gibt es z. B. in den folgenden Onlineshops: "Feine Schokolade Dressler", "Xocoatl", "chocolat-de-luxe".

 

Schokoladentest: Ursprungs-Schokolade von "Grenada Chocolate Company"

 

Meine Bewertungskriterien:

(A) Duftaromen: 18 / 18 Punkte

(B) Geschmacksaromen: 48 / 48 Punkte

(C) Optik: 3 / 3 Punkte

(D) Schmelz: 3 / 3 Punkte

(E) Zutaten: 18 / 18 Punkte

(F) Nachhaltigkeitseinschätzung: 4 / 4 Punkte

(G) Gesamteindruck: 6 / 6 Punkte

 

Grenada Chocolate Company 82%

 

MHD 06/03/2020

Chargen-Nr.: 852

Kakaoherkunft: Grenada, Kleinbauernkooperative

Kakaovarietät: ortstypische Kakao-Selektion (Trinitarios)

 

A) Duftaromen: intensive Früchtemischung (rote Früchte, Beeren), fermentierte Fruchtakzente, dezent erdig  15/18

B) Geschmacksaromen: zu Beginn gebackenes Toastbrot mit Röstnoten, Noten von gerösteten Nüssen und Holz, Anklänge von Toffee, Biskuit und Rahm, dezente Kaffeenoten, Hauptteil und Finale intensiv fruchtig und leicht würzig (rote Früchte, rote Beeren,  Preiselbeeren, Johannisbeeren, Pflaumen, Zitronen), leichte pfeffrige Schärfe, Abgang mit dezentem Röstkaffee inkl. Holz- und Rahmnoten, mäßig adstringierender Nachgeschmack 44/48

C) sehr gut 3/3

D) feinschmelzend 3/3

E) Kakaomasse, Rohrzucker, Soja-Lecithin: sehr gut 18/18

F) sehr gut: Tree-to-Bar Produktion mit Sonnenenergie direkt auf Grenada; 100% Bio-Kakao; enge, sozial und nachhaltig vorbildliche Kooperation mit Kakaobauern vor Ort 4/4

G) Gesamteindruck 6/6

 

Gesamtpunkte: 93/100

 

Fazit: Ehrenwort - das ist die Sorte von Schokolade, in die sich jeder Schokoladen-Aficionado sofort verlieben wird. Trotz ihres recht hohen Kakaoanteils von 82 Prozent und des Verzichts an abmildernder Kakaobutter ist die Schokolade zwar kräftig schokoladig, aber auch erstaunlich schmackhaft mit ihren ausgeprägten und schrillen Fruchtnoten. Durch die vielschichtigen und fruchtbetonten Aromen (rote Früchte, rote Beeren, Zitrusfrüchte) in Kombination mit den nussigen, rahmigen und kaffeigen Noten gerät ihre dezente Bitterkeit sehr stark in den Hintergrund. Ein höherer Zuckergehalt wird hier gar nicht mal vermisst. Persönlich kenne ich diese Schokolade schon sehr lange. Als ich sie 2012 zum ersten Mal probiert habe, war ich sofort von ihrem intensiven Aromenprofil fasziniert. Gleichzeitig war es zu jenem Zeitpunkt die erste Dunkelschokolade mit über 80 Prozent Kakaogehalt, die mir wirklich sehr gemundet hat. Bis heute kann ich ihr nicht widerstehen. Sie gilt aus meiner Sicht nach wie vor zu den eindrucksvollsten Bitterschokoladen, obwohl sie nur sehr wenig Zucker enthält. Als eine meiner Lieblingsschokoladen gehört sie verdient zu den Top 10 in meinem Ranking in der Kategorie über 80%. Ob sie jemals von anderen Konkurrenten in Zukunft verdrängt wird, wage ich mal zu bezweifeln.

 

 

Bemerkung: Als unparteiischer Schokoladenblogger vertrete ich keine einzelnen Hersteller oder Vertriebe und richte mich nur nach gutem Geschmack und den Werten der Schokoladenhersteller.

Wenn ich Interesse mit meinen Schokoladenempfehlungen geweckt habe, so möchte ich lediglich als Hilfestellung aufzeigen, wo und wie man derartige Schokoladen kaufen kann. Die nachhaltigen Bio-Schokoladen von der Grenada Chocolate Company gibt es online z. B. bei "Feine Schokolade Dressler", "chocolat-de-luxe", "Xocoatl" etc.